
Haben Sie mehr Vermögen als Ihr bester Freund, Nachbar oder eine andere Bezugsperson? Falls sie diese Frage bejahen - sind Sie deshalb auch reicher?
Eine kleine Geschichte dazu:
Ich hatte in den Neunzigern einen Bekannten und Geschäftspartner, der äußerlich betrachtet, schon viel Erfolg und seinen Laden mit Mitte dreißig für ein paar Millionen verkauft hatte. Wir waren oft zusammen, machten auch Geschäfte und hatten eine Menge Spaß. Der Mann hatte deutlich mehr Geld in der Tasche als ich Anfangsdreißiger, eine Yacht an der Ostsee und auch sonst allerlei Feines.
Wie so vieles, so hat auch das nicht gehalten und der Übermut führte letztlich zur Zerschlagung seines Unternehmens. Glücklicherweise musste er die nicht mehr miterleben, weil er vorher (auf einer Geschäftsreise in Asien beim Frühstück) plötzlich tot zusammenklappte.
Dieser Mann half mir bei vielen Erkenntnissen, einfach dadurch, dass wir nicht nur zusammen Geschäfte machten, sondern auch einen Großteil unserer Freizeit miteinander verbrachten und ich ihn beobachten und aus seinem Verhalten lernen konnte.
Später hatte ich ihn dann “eingeholt” und musste bemerken, dass alle meine (materiellen) Träume, die ich mir plötzlich und leicht erfüllen konnte, hauptsächlich mit dem Erlöschen dieser Träume bezahlt wurden. Alles, was man selbstverständlich “hat”, ist ja tendenziell nichts wert.
In dieser relativen Leere dachte ich viel nach und kam, neben der obigen Erkenntnis darauf, dass Reichtum nichts mit der Höhe des Vermögens einer Person zu tun hat, zumindest nicht in einer Situation, in welcher man nicht am Existenzminum lebt.
“Reich ist jemand, der weniger Ansprüche hat, als er sich erlauben kann”
Unter diesem Aspekt sind die Herren Abramowitsch, Gates etc. zwar immer noch sehr reich, weil ihre Möglichkeiten fast unbegrenzt sind. Vielleicht kommen Sie, ja Sie, unter diesem Aspekt aber gleich hinter diesen Herren. Haben Sie das schon einmal aus diesem Blickwinkel betrachtet?
Das hat nichts mit dem Begriff des “Glücks” zu tun, das zwar idealer weise damit einhergeht, aber “Reichtum” ist immer noch etwas materielles, Glück nicht - aus meiner Sicht.
Hier endet “Picard’s kleine Philosophieminute” Ich würde mich freuen, wenn Sie mit den Gedanken etwas anfangen könnten oder Ihre Sicht der Dinge ergänzten.
Cheerio/Stefan Picard

Dienstag, der 22. Juni 2010 um 21:32
Finde das folgende Zitat sehr treffend, Steffen:
„ Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts zu seinem Reichtum dazu, sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen.“ (Epikur von Samos, 341-270 v. Chr., Lehrbrief)
Sigi (garantiert sehr reich in allen Belangen im Vergleich zu ein paar Milliarden meiner Mitmenschen)
Dienstag, der 22. Juni 2010 um 22:43
Du warst sehr fleißig Stefan!
Na, und kreativ sowieso..
Ja, so ist es: Reichtum ist immer RELATIV - wie halt alles im Leben relativ ist…
Liebe Grüße,
Heike
Mittwoch, der 23. Juni 2010 um 10:26
Ich würde Reichtum und Vermögen trennen… der Vermögende vermag etwas zu tun… und selbst wenn der materielle Reichtum dabei gering ist, so kann sein “vermögen” (als Verb) sehr groß sein.
Reichtum hat m.E. etwas passives… Vermögen hat etwas sehr aktives…
Schönen Tag allen,
Ulrich Frey
Mittwoch, der 23. Juni 2010 um 10:55
Sehr gut, Herr Frey. An diesen Mangel der Zweideutigkeit des Wortes hätte ich denken können oder sollen.
Ich meinte allerdings die materielle Seite des Vermögens.
Viele Grüße/Stefan Picard
Mittwoch, der 23. Juni 2010 um 13:34
Herr Frey, man könnte das Ganze auch noch so um- bzw. beschreiben;
in ( Erich Fromm) . Das würde die Begrifflichkeit von Reichtum und Vermögen, wie hier angesetzt, vielleicht sogar noch ein Stück erweitern, trotzdem es für mich schon im Grunde analog ist.
Herzlichst
Kirsten Wodniok
Mittwoch, der 23. Juni 2010 um 13:36
Uuups…Das HABEN oder SEIN war auf einmal weg
also noch mal:
Herr Frey, man könnte das Ganze auch noch so um- bzw. beschreiben;
in ” HABEN oder SEIN” ( Erich Fromm) . Das würde die Begrifflichkeit von Reichtum und Vermögen, wie hier angesetzt, vielleicht sogar noch ein Stück erweitern, trotzdem es für mich schon im Grunde analog ist.
Herzlichst
Kirsten Wodniok
Donnerstag, der 24. Juni 2010 um 16:33
wunderbar philosophiert Herr Picard
wenn ich noch einen Ausspruch meines Grossvaters dazufügen darf:
“Die schönste Freude ist Freude zu machen!”
Solange ich also noch so viele habe um Anderen davon abzugeben, bin ich doch sehr reich!
Mit sonnigen Grüßen
I.M. Stegmayr