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Warum tut Ihr das dem Volk an?

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Die griechische Regierung will Sparbeschlüsse umsetzen. 15 Milliarden sollen bis 2015 pro Jahr gespart werden. Aber wie?

Die Gehälter der Arbeitnehmer werden bis ca. 30% gesenkt. Die Renten gehen runter. Eine Menge Menschen aus dem Verwaltungsapparat werden entlassen. Das soll Kosten sparen.

Ziel ist, im EURO zu bleiben.

Die Griechen werden die anderen Menschen hassen. Sie werden ihre Regierung hassen. Sie werden den EURO hassen, die Urlauber, die kommen usw. Und dieser Hass - oder nennen wir es diplomatischer “Abneigung” - wird berechtigt sein.

Dem eigenen Volk wird Einkommen genommen. Einkommen ist Kaufkraft. Und wenn man ohnehin schon an der Existenzgrenze lebt, dann kann man bei reduziertem Einkommen nicht einfach genau so weiter konsumieren. Auf gut deutsch: wer soll das kaufen, das in den Geschäften, Restaurants etc. angeboten wird?

Die Spirale geht also von den Arbeitnehmern und Beamten weiter in den Handel. Dort fallen die Umsätze, werden Menschen entlassen, gehen (vor allem kleine und mittlere bzw. nicht exportorientierte) Betriebe pleite.

Und wie soll das alles helfen? Mein kleines Hirn versteht das nicht.

Warum geht Ihr nicht einfach aus dem Euro raus, zurück in die Drachme, wertet die ab, macht einen Schuldenschnitt - und lasst die Leute dann mit einem ordentlichen Realeinkommen Güter produzieren, welche bei abgewerteter Währung wieder wettbewerbsfähig sind? Die Menschen werden nicht zu Bettlern, werden nicht ihres Stolzes und ihrer Würde beraubt. Sie werden selbstbewusst und stützen die Wirtschaft, die sich dann auch wieder erholen kann.

Und wenn Ihr dann noch Eure Staatsfinanzen in ein paar Jahren in einer Art und Weise in den Griff bekommt, die einigermaßen funktioniert- ja Mensch, dann herzlich willkommen zurück in der Eurozone.

Wo liegt denn da mein Denkfehler? Ich würde es wirklich gerne wissen. Denn mir tun die Menschen einfach nur leid.

Viele Grüße

Stefan Picard

Stefan Picard (Freitag, der 10. Februar 2012 / 00:14) | Permalink

3 Antworten zu “Warum tut Ihr das dem Volk an?”

  • unregistered Sigi Leibfried sagt:

    Hi Steffen!
    Ich sehe das ganz genau so! Die Sparmaßnahmen würden in den vier Jahren allenfalls die Kosten decken, die alleine wir Deutschen tragen müßten, andere Gläubigerländer wollen aber auch auf ihre Kosten kommen. Ergo: die Sparmaßnahmen würden wesentlich länger dauern, ein ganzes Volk hasserfüllt ausbluten und im Endeffekt hätte keiner etwas davon!… Gestern gelesen (in einem Fachartikel einer großen deutschen Zeitung): die Griechenlandfinanzkrise koste die Deutschen schon jetzt in etwa 60 000 000 000,- €, also gut und gerne 700,- € pro Nase… - Gestern gehört (aus dem Mund einer kleinen griechischen Kollegin): v. a. die Deutschen seien mit schuld an dem ganzen Fiasko, hätten doch den arglosen Griechen weit überteuerte Kredite gegeben, um sie dann zu melken… - Bin ich froh, dass es die Eurozone gibt!… Die Kriterien für eine Aufnahme, einen Verbleib und einen Ausschluss darin müssen dringend geändert und transparenter werden, wenn das Ganze einigermaßen und dauerhaft in volkswirtschaftlich-materiellerer und in freundschaftlich-toleranter Hinsicht funktionieren soll!
    Gruß Sigi, Europäer

  • unregistered Sigi Leibfried sagt:

    Für Lateiner und -Liebhaber: Sero sapiunt.

  • Stefan_Picard Stefan Picard sagt:

    Mit dem Thema “Griechenland” habe ich mir hier bereits öfter befasst, unter anderem in diesem Artikel, der im Mai 2010 über den Wissenschaftler Rogoff berichtete. Der sagte damals schon durch die Blume voraus, dass Griechenland seine Schulden nicht bezahlen würde und begründete das geschichtlich mit der Aussage, dass Griechenland seit Beginn seiner Unabhängigkeit im Jahre 1829 nur in der Hälfte der Jahre seine Staatsschulden bezahlt hätte.
    http://klartext.bizzlounge.com/blogs/2010/05/22/griechenland-hat-seine-schulden-schon-fruher-nicht-bezahlt/

    Da stelle ich mir ganz nebenbei die Frage, wie Staatsanleihen der Griechen bei Banken keine Eigenkapitalunterlegung gebraucht haben können. Stellen sie sich mal einen Schuldner vor, der bei der Bank die Hälfte seiner Verbindlichkeiten nicht bedient hat. Bekommt der noch Kredite?

    Und über die Denkweise (zumindest eines Teils) des Volkes hier ein Blogbeitrag über das STERN-Interview der in Griechenland hoch angesehenen Politikerin Liana Kanelli. Sehr aufschlussreich…

    http://news.bizzlounge.com/blogs/2011/06/28/ein-loch-ist-im-eimer-karl-otto/

    Cheerio

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